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Memoiren sind die schriftlichen Erinnerungen eines Menschen an verschiedene Stationen seines Lebens – persönliche wie berufliche. Entweder die Memoiren werden von dem sich Erinnernden selbst verfasst – oder aber sie werden bei Ghostwritern in Auftrag gegeben. Schreibt ein Mensch selbst über seine Lebenserfahrungen, gilt er als Autor der Memoiren und bürgt mit seinem Namen für die Authentizität des Inhalts. Auf dem Buchmarkt gibt es jedoch viele Memoiren von Prominenten, deren Authentizität in weiteren Publikationen bezweifelt wird. Das Memoiren-Schreiben ist also immer auch ein Stück Sinnkonstruktion. Diese Tatsache wirft zwangsläufig die Frage nach dem subjektiv gemeinten und dem objektiven Leben auf. Jeder Mensch blickt in unterschiedlichen Etappen seines Werdeganges – bewusst und unbewusst – auf seine Lebensgeschichte zurück, zum Beispiel im Bewerbungsgespräch, bei der Aufnahme persönlicher Beziehungen oder der eigenen Lebensrückschau im hohen Alter. Das Schreiben der eigenen Memoiren nimmt dabei einen besonderen Platz ein: Die Erinnerungen werden in Memoiren schriftlich fixiert und werden einer breiteren Öffentlichkeit oder zumindest dem privaten Umfeld zugänglich gemacht. Die Motivationen, seine Memoiren schreiben zu wollen, sind dabei höchst unterschiedlich.

“Ich will dieses Buch nicht schreiben, aber ich muss”, mit diesen geradezu salbungsvollen Worten machte Wikileaks-Gründer Julian Assange öffentlich, dass er seine Memoiren schreiben wird und dafür auf mehr als eine Million Euro hoffen darf. Er habe sich dazu entschieden, weil er das Geld für Rechtsanwälte benötige, die ihn vor Gericht gegen die erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe verteidigen sollen. Auch wenn Julian Assange sich zu diesem Schritt nahezu genötigt fühlt, liegt er mit dem Vorhaben, seine Memoiren schreiben zu wollen, voll im Trend: In letzter Zeit breiten immer mehr prominente Menschen in aller Öffentlichkeit ihre Lebensgeschichte aus. Es reicht ein Blick auf die Neuerscheinungen der vergangenen sechs Jahre, um festzustellen, dass Memoiren – gerade von Prominenten – immer beliebter werden. In der heutigen Zeit sind es überwiegend Menschen des öffentlichen Lebens, die durch das Memoiren-Schreiben rückwirkend zu einer Selbsterkenntnis gelangen möchten. Dabei müssen es gar nicht mal nur Schauspieler, Sänger, Sportler oder Politiker sein, die am Ende einer jahrzehntelangen Karriere stehen und deren Lebenswerk bereits Generationen überdauert hat. Erst kürzlich veröffentlichte beispielsweise der kanadische Teenie-Star Justin Biber seine Memoiren “First Step 2 Forever: My Story” – mit gerade mal 16 Jahren!

Sex, Drugs and Rock’n’Roll heben den Marktwert

Der Trend zum Memoiren-Schreiben scheint einen einfachen Grund zu haben: Mit den Ergebnissen in Buchformat lässt sich gutes Geld verdienen – für die Prominenten genauso wie für deren Management und die Verlage. So hat WikiLeaks-Chef Julian Assange mit ca. einer Million Euro sein Leben noch recht preiswert auf den Markt geschmissen – im Vergleich zu anderen Prominenten. Auf den einträglichsten Gewinn kann wahrscheinlich US-Popstar Britney Spears hoffen. Sie soll, wie die englische Zeitung Daily Mirror in Erfahrung gebracht haben will, bald mehr als 14 Millionen Dollar für ihre Memoiren kassieren – und dabei ist die Sängerin noch nicht einmal 30 Jahre alt. “Sex, Drugs and Rock’n’Roll” heben den Marktwert: So soll der ehemalige US-Präsident Bill Clinton zwölf Millionen Dollar eingestrichen haben (Affäre mit Monica Lewinsky). Von Woody Allen heißt es, er habe zehn Millionen Dollar für seine Memoiren einsacken wollen (Affäre und spätere Vermählung mit seiner Stieftochter Soon-Yi Previn). Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards soll sieben Millionen Dollar kassiert haben (Details über das wilde Leben der Rolling-Stones). Und ein Verlag soll Supermodel Kate Moss fast eineinhalb Millionen Dollar zahlen, wenn sie ihre Memoiren schreiben lassen möchte (Affäre mit dem Musiker Pete Doherty sowie ihr heimlich gefilmter Drogenmissbrauch). Einziger Ausreißer, der auch ohne “Sex, Drugs and Rock’n’Roll” ordentlich Reibach machte: Papst Johannes Paul II., der einst 8,5 Millionen Dollar für seine Memoiren bekam.


Nicht nur Prominente bringen ihre Lebensgeschichte zu Papier und leisten so Erinnerungsarbeit

Verblüffend ist jedoch, dass das Geld nicht die einzige Triebfeder für viele Menschen ist, ihre eigenen Memoiren schreiben zu wollen. Auch abseits der prominenten Lebensrückschauen wird fleißig Erinnerungsarbeit geleistet: Es sind Unternehmer, Mediziner, Hochschullehrer, Rechtsanwälte, aber genauso auch Hausfrauen, Krankenschwestern, Gastronomen und Landwirte, die ihre Memoiren zu Papier bringen möchten. Menschen, die ihren Kindern, Enkeln, Freunden und Kollegen aus einem einzigartigen Leben erzählen möchten. Einige von ihnen versuchen sich selbst im Memoiren-Schreiben, ziehen sich mit Stift und Notizblock oder dem Computer an ein ruhiges Plätzchen zurück. Viele Menschen, darunter auch die, die bei ihrem eigenständigen Schreib-Versuch letztlich gescheitert sind, wenden sich jedoch an Profis, die wissen, wie man ein Leben aufschreibt; und zwar so, dass die Memoiren sowohl für den sich Erinnernden als auch für dessen Angehörige und Freunde ein lesenswertes und spannendes kleines Meisterwerk werden.

Das Schreiben von Memoiren im Auftrag Anderer als Dienstleistung

Der Markt des Memoiren-Schreibens ist im Vergleich zu anderen Dienstleistungsbranchen klein, aber fein. Dem Unternehmen Rohnstock Biografien ist es in den vergangenen zwölf Jahren gelungen, einen großen Fuß in dieses Segment zu setzen und sich zu dort zu etablieren. Mit zehn festen Mitarbeitern und rund 20 freien Autoren, Grafikern und Schreibkräften ist es die Nummer eins für das Erstellen von Memoiren im Auftrag Anderer in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Was die Auftraggeber an der Berliner Firma besonders schätzen: Trotz der hohen Professionalität und der großen Routine, die Rohnstock Biografien auszeichnen, ist individuelle Maßarbeit stets garantiert. Wer hier seine Memoiren schreiben lässt, bekommt ein Buch, das wie sein Leben ein Unikat ist: Inhaltlich und gestalterisch. An den Memoiren schreiben und arbeiten Autobiografiker – wie die Ghostwriter des Unternehmens heißen –, Lektoren, Grafiker, Schreibkräfte und Drucker. Es gibt zwei Wege die eigenen Memoiren schreiben zu lassen: Entweder reichen die Auftraggeber Manuskripte ein, die dann von Lektoren und Grafikern in Buchform gebracht werden. Oder – und das ist die Regel – die Auftraggeber treffen sich zunächst mit einem Autobiografiker zu einem Interview und erzählen aus ihrem Leben. Das mündlich Erinnerte wird anschließend von einer Schreibkraft Wort für Wort abgeschrieben. Der Autobiografiker strukturiert anschließend die in Schriftform gebrachten Erinnerungen, setzt Spannungsbögen und gestaltet einen lesenswerten Text, der dann ebenfalls Lektorat und Grafikabteilung durchläuft – natürlich immer in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber. Der Autobiografiker nimmt beim Schreiben der Memoiren die Perspektive des Erzählers ein, den er gut kennen gelernt hat. Er schreibt die Memoiren aus dessen Sicht in der Ich-Perspektive und bewahrt dessen persönliche Note. Ein hoher Grat an Professionalität gewährleistet, dass der Autobiografiker sein schriftstellerisches Können voll zum Einsatz bringt, gleichzeitig aber streng darauf achtet, den Stil des Auftraggebers zu berücksichtigen. Authentizität und Individualität zu wahren, ist der größte Anspruch beim Memoiren-Schreiben. So sehr Erinnerungen immer auch Sinnkonstruktion sind – entscheidend ist, dass auch das Erzählte eins zu eins in die Buchform gebracht wird. Dann überdauert ein Stück erlebter Zeitgeschichte in gedruckten Memoiren sogar Generationen.

Robert Bonjey

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